Bahn

Desaströses Gesamtbild der Deutschen Bahn

Am Bahnhof Fischen im Allgäu wurden 2011 Bahnsteige umgebaut. Als Spätfolge dieser Arbeiten entfällt dort nun ein Intercity-Halt. Ein Bundestagsabgeordneter bezeichnet die Situation in einem Brief an Verkehrsminister Ramsauer als "Realsatire". Nach Auffassung der DB ist aber "der Bahnsteig passend gebaut", so der Fahrgastverband Pro Bahn.

Seit dem Umbau müssen Züge im Kurvenbereich halten. Folge: Zwischen den Waggons und dem Bahnsteig klafft eine größere Lücke. Nach Beschwerdeschreiben von Fahrgästen reagierte das Unternehmen: Es lässt den Intercity 2013 aus Dortmund nicht mehr in Fischen halten. Und beim Gegenzug, dem IC 2012 aus Oberstdorf nach Dortmund darf man weder vorne noch hinten einsteigen. Ein Sprecher der Bahn: „Nach unserer Auffassung ist der Bahnsteig passend gebaut.“   Die DB hatte 2011 den Bahnsteig an der neuen Illerbrücke erneuert. An sich sollte der Perron auf der gesamten Länge von 200 m von 38 auf 55 cm Höhe gebracht werden; tatsächlich erfolgte die Anhebung nur auf 170 m Länge, „aus finanztechnischen Gründen“, wie ein Bahnsprecher von der Allgäuer Zeitung zitiert wird. Das Kuriose: Das Geld für den Umbau auf einer Länge von 170 Metern (entspricht der von Regionalzügen auf der Allgäustrecke) kam vom Freistaat Bayern. Die restlichen 30 Meter wären wiederum Sache der Deutschen Bahn gewesen.   Die Antwort der Deutsche Bahn: „Der neue Bahnsteig in Fischen wurde nach den geltenden Regelwerken gebaut. Er wird von unterschiedlichen Eisenbahnverkehrsunternehmen mit unterschiedlichen Fahrzeugen und Fahrzeuglängen angefahren. Im gekrümmten Bahnsteigabschnitt entstehen bei bestimmten Fahrzeugeinheiten Spaltabstände zwischen Bahnsteigkante und Fahrzeug, die die zugelassenen Abstände übersteigen. Deshalb sind Halte in diesem Bahnsteigbereich so lange nicht zulässig, bis eine Klärung mit dem Eisenbahnbundesamt erfolgt ist.“ Letzteres soll bis Ende März erfolgen.   Die Empfehlung der Bahn: Reisende, die mit dem Intercity unterwegs sind, sollen in Kempten auf den Regionalexpress 3892 umsteigen. Genau das wurmt Touristiker und Kommunalpolitiker gewaltig. Tourismuschef Bertram Pobatschnig ist, was die Bahn betrifft, „grundsätzlich höchst unzufrieden“, schreibt die Zeitung weiter. Denn abgesehen davon, dass die DB immer mehr Service-Leistungen auf Kommunen und Einrichtungen abwälze, (im Fall Fischen Fahrkartenverkauf im Kurhaus-Fiskina), sei es gerade für Senioren wichtig, dass sie mit dem Zug auch direkt in Fischen ankommen. Für Bürgermeister Edgar Rölz passt die Angelegenheit mit der Lücke „in das desaströse Gesamtbild“ der DB.

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