Luftfahrt

10. Januar 2017 | Von: Gernot Zielonka

Lufthansa lehnt die Übernahme Airberlins ab

Der Wetlease-Deal zwischen Lufthansa und Airberlin mit 38 AB-Flugzeugen ist in trockenen Tüchern. Austrian Airlines flottet fünf der AB-Jets ein, 33 die LH-Günstigtochter Eurowings. Der Rest von Airberlin, das kurz vor dem Grounding stehen soll, interessiert LH-Chef Carsten Spohr nicht. Beim "Lufthansa Digital Aviation Forum" machte Spohr deutlich, dass eine Komplettübernahme Airberlins nicht in Frage kommen kann, jedenfalls bis auf Weiteres.

Die tiefroten Zahlen Airberlins - die Rede ist von 1 bis 2 Mrd. Euro - haben deshalb und bemerkenswerterweise den bisherigen AB-Gönner und Hauptaktionär Etihad Airways, der selbst unter finanziellem Druck steht, dazu bewogen, sich der Lufthansa anzunähern.

Es ist aber nicht nur der Schuldenberg Airberlins, der eine Übernahme durch den LH-Konzern derzeit verhindert, sondern die generelle Kostenstruktur Airberlins. Denn innerhalb des angeschlagenen Carriers existiert mit der ehemaligen LTU eine Firma in der Firma AB, deren Beschäftigte teils hochdotierte Altverträge haben sollen, was so ganz und gar nicht zur Kostenstrategie der LH passen würde. Ein ehemaliger LTU-Spitzenmanager erklärte im Gespräch mit Austrian Aviation Net, „dass die Pilotenverträge nicht nur besonders teuer wären, sondern auch diverse weitere Leistungen heftig ins Geld gingen. Beispielsweise müssten - so der Ex-Manager - besonders teure Hotels gebucht und Leistungen für das fliegende Personal bereitgestellt werden, die heute absolut unüblich sind.

Hinzu kommt, dass sich aufgrund der verworrenen Firmengeschichte der LTU ein sehr starker Betriebsrat bei Airberlin entwickeln konnte, der dafür sorgt, dass viele AB-Mitarbeiter stark von ihren Ex-LTU-Kollegen profitierten und das Zurückfahren von Privilegien kaum möglich ist.

Den bei einer Komplettübernahme zu erwartenden Ärger mit dem AB-Betriebsrat und den AB/Ex-LTU-Beschäftigten will sich die LH nicht an Bord holen, jedenfalls im Moment nicht. Erst will Spohr abwarten, was sein enger Vertrauter Thomas Winkelmann, der als neuer AB-CEO eingesetzt worden ist (DMM berichtete) dazu meint. Quelle: DMM / austrianaviation.net

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