Bahn

15. Februar 2017 | Von: Gernot Zielonka

Dicke Luft beim Fugger-Express

20 Minuten frieren am Bahnsteig, danach eine Fahrt gequetscht wie in einer Sardinenbüchse und am Ende in München-Pasing oder Gessertshausen wegen vorzeitiger Zugwende vor dem Ziel abgesetzt - so kann aktuell ein Arbeitstag für Geschäftsreisende und Pendler im Fugger-Express beginnen oder enden. Eine hohe Zahl technische Störungen an den ET440-Triebwägen des Herstellers Alstom verägert derzeit die Bahnfahrer der Region München/Augsburg/Donauwörth, die auf der überlasteten und für Störungen nicht ausgelegten Schieneninfrastruktur zwischen München, Augsburg, Ulm und Donauwörth ohnehin schon genug Verspätungen ertragen müssen.

Der Fahrgastverband PRO BAHN hat hierzu Fahrgastrückmeldungen ausgewertet: So habe es alleine an den 10 Werktagen zwischen 16.01.2017 und 27.01.2017 im Berufsverkehr 18 Züge, bei denen ein Zugteil mit 240 Sitzplätzen fehlte, 9 Züge mit insgesamt 234 Minuten Verspätung aufgrund technischer Störungen am Zug und einen kompletten Zugausfall gegeben - alles wie gesagt im Berufsverkehr.

Auch in den ersten zwei Februarwochen häuften sich wieder die technischen Störungen an den Voradia-ET440-Zügen. Trauriger Höhepunkt war Montag, 06. Februar 2017, an dem die Bahnfahrgäste 6 Berufsverkehrszüge mit in Summe 114 Minuten Verspätung nach technischen Störungen meldeten. Durchschnittlich 20 Minuten entspräche für die Fahrgäste quasi einem Zugausfall. Und käme der Zug dann endlich, wäre gerade in Mering oftmals bei einer derartigen Verspätung gar kein Zustieg für alle Wartenden mehr möglich, da an den Stationen vorher bereits die Pendler von zwei Zügen eingestiegen sind.

Der Fahrgastverband PRO BAHN hat auf Grund der unbefriedigenden Situation inzwischen den Bayerischen Landtag eingeschaltet. Die Abgeordneten Eberhard Rotter (CSU) und Annette Karl (SPD), die im Aufsichtsrat der Bayerischen Eisenbahngesellschaft den Landtag vertreten, haben die BEG bereits aufgefordert, mit der DB Regio Bayern zusammen Abhilfe zu schaffen. Die Abgeordneten Christine Kamm und Markus Ganserer (Bündnis 90/Die Grünen) haben in einer parlamentarischen Anfrage Innenminister Joachim Hermann verpflichtet, dem Landtag zu Auswirkungen und Maßnahmen von Seiten des Freistaates zu berichten.

"Wir erwarten, dass BEG und DB Regio konkrete und umfassende Maßnahmen zur Erhöhung der Betriebsstabilität erarbeiten und umsetzen" so Jörg Lange, der beim Fahrgastverband PRO BAHN den Fugger-Express betreut. Auch seien die Kunden umfassend zu informieren. "Es kann nicht sein, dass die Kunden regelmäßig nicht die geschuldete Leistung bekommen und von der DB Regio keine Entschuldigung und keine Erklärung dazu gegeben wird", so Errol Yazgac, Beauftragter für PRO BAHN in Schwaben.

DB intern müssten die Mitarbeiter die technischen Mängel ausbaden: "Uns ist bekannt, dass die Techniker der DB mit Wochenendschichten versuchen, möglichst viele Fahrzeuge in den Einsatz zu bringen, und Lokführer Überstunden machen, um die Triebwagen dahin zu überführen, wo sie gebraucht werden. Wir danken den Mitarbeitern für diesen Einsatz", so Jörg Lange.

Bei den Fahrgästen nicht nur des Fugger-Express sondern auch der Mainfrankenbahn (Würzburg-Nünberg/Treuchtlingen und Gemünden) seien die ET440 wegen enger Gänge und Einstiegsräume, schwer zugänglicher Mehrzweckräume, relativ unbequemer Sitzplatzgestaltung und fehlender Trittstufen an niedrigen Bahnsteigen nicht sonderlich beliebt. Die Tatsache, dass diese Fahrzeuge im nunmehr neunten Einsatzjahr immer noch nicht stabil zu betreiben seien, spräche auch für ihre Ablösung im Rahmen der Neuausschreibung der Augsburger Netze für 2021. "Ich möchte mir nicht vorstellen, wie diese Fahrzeuge in 10 Jahren beieinander sind", so Jörg Lange abschließend. Quelle: PRO BAHN Bezirksgruppe Schwaben / DMM

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