Luftfahrt

19. März 2017 | Von: Gernot Zielonka

A380 brachte Businessjet beinahe zum Absturz

Wir von DMM haben es selber mal am Steuer eines Businessjets erlebt: Als wir in Frankfurt mit unserem Businessjet im Landeanflug waren, gerieten wir trotz großen Abstands (mehr als 4.000 m) in die Wirbelschleppen einer vorausfliegenden B 747-400, was unsere Maschine mächtig durchschüttelte. Seitdem wissen wir von DMM, was es heißt, großen Abstand zu (vor allem großen) Passagierjets zu halten. Aktuell ist nun ein Fall eines deutschen Businessjets bekannt geworden, den am Montag, 07. Januar 2017 ein Emirates A 380 fast zum Absturz gebracht hat. In die Ermittlungen involviert ist u.a. die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig.

Der Aviation Herald meldete unter der Überschrift „Emirates A388 over Arabian Sea on Jan 7th 2017, wake turbulence sends business jet in uncontrolled descent“. Inhalt der englischsprachig verfassten Meldung: Ein Emirates Airbus A380-800 (Registrierung A6-EUL) im Zuge von Flug EK-412 war von Dubai nach Sydney auf der Flugfläche FL350 ca. 630 nm (nautische Meilen) südöstlich von Muscat (Hauptstadt des Oman) und etwa 820 nm nordwestlich von Male (Malediven) über dem Arabischen Meer unterwegs, als der Doppelstöcker gegen 14.10 Uhr Ortszeit ca. 300 m über einen deutschen Businessjet raste, der in die Gegenrichtung flog.

Der Canadair Challenger 604 (Registrierung D-AMSC) der Münchner MHS Aviation war als Flug MHV-604 mit neun Personen an Bord auf dem Weg von Male nach Abu Dhabi. Die Piloten des Geschäftsflugzeugs hatten den entgegenkommenden A380 beobachtet, der ihnen ca. 1.000 Fuß über ihrer Flugfläche entgegenkam. Kam war der A380 über den deutschen Geschäftsreiseflieger vorübergedonnert, geriet der Challenger infolge der mächtigen Wirbelschleppen des vierstrahligen A 380 ins Trudeln. Die Piloten verloren die Kontroller über die Steuerung, der Challanger stürzte ca. 10.000 Fuß (über 3.000 m) unkontrolliert Richtung Meeresoberfläche.   Extrem hohe G-Kräfte schleuderten die nicht angeschnallten Passagiere im Businessjets durch die Kabine, wobei sie und eine Servicekraft teils schwer verletzt wurden. Der Challanger drehte sich während des Sturzflugs laut Aivation Herald drei bis fünfmal um die eigene Längsachse. Dabei gingen beide Triebwerke aus. Den Piloten gelang es, nacheinander beide Triebwerke wieder zu starten und ihre Maschine noch rechtzeitig abzufangen, bevor sie auf der Meeresoberfläche aufgeschlagen wäre.

Nach dem Vorfall blieb der Cockpitbesatzung infolge der Beschädigungen ihres Jets nichts anderes übrig, als den Flug nach Muscat umzuleiten, an das Ziel Abu Dhabi war nicht mehr zu denken. Um 14.12 Uhr erklärten sie einen Notfall, bekamen die Freigabe für den Luftraum von Oman und landeten sicher um 15.14 Uhr am internationalen Airport von Muscat. Die Passagiere wurden sofort in eine Klinik eingeliefert. Der Challenger wies neben äußerem Beschädigungen auch einen größeren Triebwerksdefekt auf. Er konnte nicht weiterfliegen und gilt als wirtschaftlicher Totalschaden.    

Bei Wirbelschleppen (engl. wake turbulence), auch Randwirbel genannt, handelt es sich um zopfartige, gegenläufig drehende Luftverwirbelungen hinter fliegenden Flugzeugen. Ihre Intensität ist vom Gewicht des Flugzeuges abhängig. Die Lebensdauer der Luftverwirbeungen wird von Wind und Atmosphäre beeinflusst. Im Zentrum der Wirbel ist der Luftdruck vermindert. Die Wirbel der Wirbelschleppe hinter einem großen Flugzeug sind stark genug, nachfolgende Flugzeuge zu gefährden. Das gilt insbesondere, wenn das nachfolgende Flugzeug deutlich leichter und kleiner ist.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus musste für den A380 wegen des großen Gewichts und der dadurch sehr intensiven Wirbel neue Technologien entwickeln, welche die Wirbelschleppen bei diesem großen Flugzeug in Grenzen halten. Dies scheint nur mehr oder weniger gut gelungen zu sein. Denn den Luftfahrtbehörden weltweit liegen etliche Meldungen zu Zwischenfällen mit A380-Wirbelschleppen vor. Quelle: Aviation Herald / wikipedia / DMM

A380 brachte Businessjet beinahe zum Absturz
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