Automobil

18. April 2017 | Von: Gernot Zielonka

Zwei Überflieger - Panamera und Macan

Porsche rüstet sich für die Mobilität der Zukunft. Der Sportwagenhersteller investiert in die Entwicklung von neuen Plug-in-Hybridfahrzeugen und des rein elektrisch betriebenen Mission E sowie in die digitale Transformation. Die Digitalisierung erhöht den Kundennutzen. Davon zu spüren bekommt vor allem, wer den neuen Panamera fahren darf. Wir nahmen uns allerdings zuerst mal den V8-Diesel vor und, weil’s so schön ist, auch das Top-Modell unter den kompakten SUV, den Macan S Diesel.

Erinnern wir uns: Generation 1 des Porsche Panamera war in Sachen Design schon etwas gewöhnungsbedürftig. Bei den Fahreigenschaften zweifellos die klare Nr. 1 vor den Konkurrenten aus München, Ingolstadt und Stuttgart strapazierte das Luxusgefährt der Zuffenhausener die Gefühle der potenziellen Käufer doch sehr angesichts des mit Verlaub ziemlich daneben gegangenen Designs. Von daher hatte der vormalige Panamera im Businessgeschäft der Großen nur wenige Chancen, obschon er mit einer Top-Performance gesegnet war.

Ganz anders der Nachfolger, sieben Jahre nach seinem Vorgänger Mitte 2016 vorgestellt. Dieser Panamera ist ein wirklich attraktives Fahrzeug geworden und eine höchst komfortable Luxuslimousine mit der Performance eines echten Sportwagens. Apropos Sportwagen: Obwohl er viel Ähnlichkeit mit der Ikone 911 hat, ist der Panamera, Hand aufs Herz, für Raserei über die Autobahnen oder gar Bundesstraßen einfach nicht gedacht. Genauso denkt die avisierte Kundschaft und so sehen auch wir das.

Wir haben den bulligen V8 Diesel gefahren, ein in unseren Augen ultimativer Gran Turismo. In seiner Klasse sehen wir Porsches GT als den Maßstab; denn der Diesel-Panamera kann nicht nur in Sachen Bewegung alles besser als die Wettbewerber. Unser Modell verfügte über die optionale Dreikammerluftfederung, die besseren Langsamfahrkomfort garantiert, über Wankstabilisierung (ein elektromechanisches System, das de Stabilisator spreizt und dafür sorgt, dass der Reisewagen richtig satt auf der Straße kauert), tolle und vor allem sehr langstreckentaugliche Sitze, viel Platz, eine so gut wie perfekte Lenkung, ein attraktives Ambiente und ein Cockpit, in das man sich vernarren könnte. Freilich muss man erst mal lange üben, bis man halbwegs gelernt hat, wie man über welche Funktionalitäten dahin kommt, was man möchte.

Das Fahrwerk unseres 422 PS mächtigen Diesels war sehr komfortabel abgestimmt, kein Stuckern, alles sehr geschmeidig. Und wenn’s drauf ankam, dann packte die Bremsanlage unglaublich heftig zu, brachte den ja nicht gerade leichten Wagen im Nu zum Stillstand. Dieser Diesel ist erstaunlicherweise, anders als seine Otto-Geschwister, an der Tankstelle vergleichsweise genügsam. Auch das sorgt dafür, dass der Diesel-Panamera das Zeug hat, einen süchtig zu machen, auch wenn wir im Hinterkopf neuerdings immer die Abwertung des Selbstzünders nach dem berühmt-berüchtigten Dieselskandal von Konzernmutter Volkswagen haben. Und dann noch dieses: Diesen Panamera kann man wirklich überall mitnehmen und sich damit auch sehen lassen, ohne abschätzige oder mitleidige Blicke der Beobachter zu ernten.  

Viel Funktion und Interaktion im Cockpit. Das Porsche-typische Interieur wurde für den neuen Panamera zukunftsweisend interpretiert. Blackpanel-Flächen und interaktive Displays verbinden die klare Visualität und selbstverständliche Bedienoberfläche der Smartphones und Tablets mit der praxisgerechten Steuerung eines Fahrzeugs. Klassische Hardkeys und konventionelle Instrumente wurden signifikant reduziert. Stattdessen dominieren im neuen Porsche Advanced Cockpit berührungssensitive Panels und individuell konfigurierbare Displays. Mit großen Vorteilen für Fahrer, Beifahrer und Fondpassagiere: Trotz eines deutlich erweiterten Angebots der Kommunikations-, Komfort- und Assistenzsysteme wurden Nutzung und Bedienung der verschiedenen Funktionen übersichtlicher und intuitiver. Aber, liebe Porsche-Leute: Wir haben dennoch Stunden verbracht, uns mit den unzähligen Funktionalitäten auseinanderzusetzen. Aber wenn man mal die Logik verinnerlicht hat, ja dann geben wir den Porsche-Entwicklern recht, die da von intuitiver Handhabung sprechen.  

Wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten. Weniger gut ist in unseren Augen, dass er beim Kauf aber auch beim Leasing weniger Rücksicht auf das Konto seines Besitzers nimmt. Sechsstellig ist man vor vornherein dabei, und er’s mit der Aufpreisliste zu gut meint, kann den Nobelschlitten schon auf beinahe 200.000 Euro Kaufpreis treiben.

Womit wir zum Macan kommen. Der bietet in der Liga der edlen Kompakt-SUV alles, was die Zuffenhausener, pardon Leipziger ausmacht. Er ist unglaublich agil und der Sportwagen unter den kompakten SUV. Ausgestattet mit allen Porsche-Genen ist er trotz einiger neu auf den Markt erschienener Konkurrenten aus UK und Italien nach wie vor der Maßstab in Sachen Fahrdynamik und Fahrspaß, auch und vor allem auf befestigten Straßen. Fürs Gelände ist er uns zu schade. Dass er verdammt teuer ist, wenn man ihn nur ein klein wenig mit den diversen Optionen ausstattet, ist Teil der Porsche-Philosophie. Aber was soll’s.  

Auch im Fall des Macan haben wir auf den S Diesel zurückgegriffen, das drehmomentstärkste Zugpferd unter den Macan-Offerten der Sachsen. Das Sport Utility Vehicle steht flach und breit auf der Fahrbahn. Viele Gestaltungselemente sind von 911 & Co. übernommen. Übrigens hat der der Macan den größeren Bruder Cayenne als meistverkauftes Modell der Zuffenhausener abgelöst, nicht etwa weil er viel preiswerter wäre, das ist der Macan beileibe nicht. Sondern weil er im Segment der wohl attraktivste „Geländewgen“ ist, man verzeihe den Ausdruck; denn Geländewagen ist eigentlich etwas anderes.

In der Praxis gesehen erwies sich der Macan als sehr alltagstaugliches Gefährt, beliebt auch bei vielen Firmenkunden. Der Wagen macht einfach Spaß; sein straff abgestimmtes Fahrwerk verhindert selbst bei schnell gefahrenen Kurven ein Zuviel an Seitenneigung, ach was, die haben wir kaum gespürt. Aufgefallen ist uns freilich der Sound beim Gas geben. Fast wie bei einer Rennmaschine. Aber man sollte das Losspurten auf Teufel komm’ raus zumindest in der City tunlichst sein lassen. Das kommt bei der Umwelt weniger gut an.  

Der Innenraum greift das aktuelle Porsche-Sportwagendesign auf. Über die absolute Hochwertigkeit von Materialien und Verarbeitung müssen wir hier gar nicht erst reden. Die vergleichsweise sportliche Sitzposition und die stärker geneigte Lenksäule tragen zu einem gewissen Sportwagengefühl bei. Dass sie für Vielfahrer ausreichend bequem sind, sei an dieser Stelle ebenfalls erwähnt. Nicht vergessen wollen wir, dass der Macan nicht gerade en Platzwunder ist. Aber es reicht, um es mal so auszudrücken. Und er ist ein Auto für unsereinen, der sich heute nicht mehr in einen niedrigen Sportwagen hineinquälen will, um anschließend kaum noch herauszukommen. Da macht es aber auch nichts, dass der Macan alles andere als ein Platzwunder ist.    

Haben wir am Macan etwas auszusetzen? Ja. Die mit zig Tasten überladene Mittelkonsole ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Da kann man sich schon mal vertun, bis man gefunden hat, was man einstellen möchte. Und auch die Instrumentierung war zur Zeiten der Entwicklung des Macan vielleicht einigermaßen okay, heute ist sie es nicht mehr, siehe neuer Panamera. Das Cockpit beinhaltet drei Rundinstrumente mit zentral positioniertem Drehzahlmesser, In Letzterem findet sich eine Ganganzeige, die über den vom Doppelkupplungsgetriebe (PDK) eingelegten Gang informiert. Das rechte Rundinstrument enthält ein hoch auflösendes 4,8-Zoll-VGA-Multifunktionsdisplay. Es zeigt neben den wichtigsten Bordcomputerfunktionen beispielsweise auch die Kartendarstellung des optionalen Porsche Communication Management (PCM) mit Navigationsmodul. Am Infotainment-System mit Smartphone-Anbindung und WiFi-Hotspot hatten wir nichts auszusetzen und auch nicht daran, dass Zündschloss links zu finden ist.

Zu den Minuspunkten zählen wir das fehlende Head-up-Dipslay. Und wenn Porsche von umfangreicher Serienausstattung spricht, dann fragen wir uns allen Ernstes, warum die Liste mit optionalen Ausstattungen so lang sein muss. Vielfache Individualisierung, gut und schön, aber die treibt den S Diesel schnell Richtung sechsstelliger Kaufsumme bzw. verdammt hohe Leasingraten.  

Fast hätten wir es vergessen: In Sachen Treibstoffkonsum ist der Macan S Diesel so etwas wie en Kostverächter. Wir haben den Wagen tatsächlich mit Verbräuchen knapp um die 7 Liter bewegt. GZ-DMM

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