Panorama

20. April 2017 | Von: Gernot Zielonka

Schwachsinnige Raser müssen laufen und zahlen

In etlichen Bundesländern, darunter auch im Freistaat Bayern, wurde am Mittwoch (19. April 2017) landesweit geblitzt: Der „Blitzmarathon“ startete um 6 Uhr früh und dauerte exakt 24 Stunden. Gut 1.900 Polizeibeamte waren in Bayern im Einsatz. Innenminister Joachim Herrmann erklärte nach den Aktion, dass man gute Erfahrungen mit dem "Blitzmarathon" gemacht habe. Viele Fahrer hätten sich wieder bewusst Gedanken über ihre Geschwindigkeit gemacht und seien langsamer unterwegs gewesen. Es gab aber auch viele verantwortungslose Raser, so die Abschlussbilanz zum 5. Bayerischen Blitzmarathon..

Auf Bayern 3 waren sogar sämtliche Straßen und Ortschaften in den einzelnen Regierungsbezirken aufgelistet, wo Radarfallen aufgestellt waren. Und auch auf www.sichermobil.bayern.de waren sämtliche Messstellen schon Tage zuvor angekündigt. Dennoch rasten viele Autofahrer in gewohnter Dummheit in die Radarfallen.

Von Mittwoch, 19. April, 6 Uhr, bis Donnerstag, 20. April, 6 Uhr, kontrollierten insgesamt rund 1.900 Polizistinnen und Polizisten sowie mehr als 50 Messtechniker der Gemeinden und Zweckverbände der kommunalen Verkehrsüberwachung an mehr als 1.900 möglichen Messstellen in ganz Bayern verstärkt die Geschwindigkeit. "Insgesamt 8.941 Geschwindigkeitssünder sind uns bei rund 230.000 gemessenen Fahrzeugen ins Netz gegangen", gab Herrmann bekannt. "Obwohl alle Messstellen frühzeitig im Internet unter www.sichermobil.bayern.de abrufbar waren, haben es einige offenbar immer noch nicht kapiert, besser den Fuß vom Gas zu nehmen." Das Gros der Autofahrer war laut Herrmann aber angesichts der groß angekündigten Messstellen langsamer unterwegs.

"Über Geschwindigkeitsverstöße hinaus haben unsere Polizisten bei den Kontrollen mehr als 650 weitere Delikte festgestellt", ergänzte der Minister. U.a. wurden beispielsweise verkehrsunsichere Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln aus dem Verkehr gezogen.

Spitzenreiter 81 km/h zu schnell. Trauriger Spitzenreiter war ein 42-jähriger BMW-Fahrer, der in Oberbayern auf der B16 bei Weichering mit 181 km/h anstatt der erlaubten 100 aufgehalten wurde. Ihm drohen eine Geldbuße von 1.200 Euro, zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot. Ein solches Verhalten bezeichnete Herrmann als absolut unverantwortlich: "Das ist lebensgefährlich, für sich und andere im Straßenverkehr!"

Aber auch von anderen Polizeipräsidien wurden wieder reihenweise Raser gemeldet:

  • PP Oberpfalz auf der A3 bei Sinzing 72 km/h zu schnell
  • PP Mittelfranken auf der A9 bei Schnaittach 71 km/h zu schnell
  • PP Unterfranken auf der B27 bei Karlstadt 70 km/h zu schnell
  • PP Niederbayern auf der A3 bei Neuhaus a. Inn 66 km/h zu schnell
  • PP Oberfranken auf der B4 bei Itzgrund 64 km/h zu schnell
  • PP Schwaben Süd/West auf der Staatsstraße 2015 bei Schlingen Süd 63 km/h zu schnell
  • PP Schwaben Nord auf der B300 bei Kühbach 54 km/h zu schnell
  • PP Oberbayern Süd auf der B11 bei Geretsried 54 km/h zu schnell
  • PP München auf der Kreisstraße M2 bei Taufkirchen 51 km/h zu schnell.

Weitere Schwerpunktkontrollen im Juli. Für Herrmann ist klar: "Dort, wo die Einsicht fehlt, werden wir auch in Zukunft mit konsequenten Kontrollen nachhelfen und unverantwortliche Raser aus dem Verkehr ziehen." Bereits im Juli werde die Bayerische Polizei über die üblichen Geschwindkeitskontrollen hinaus bayernweit entsprechende Schwerpunktaktionen gegen Raser durchführen. Nach Herrmanns Worten sei der Juli neben Juni und August traditionell der Monat, an dem sich die meisten tödlichen Verkehrsunfälle ereignen. Wie der Innenminister deutlich machte, ist zu hohe Geschwindigkeit immer noch die Ursache Nummer eins bei schweren Verkehrsunfällen. 195 und damit rund ein Drittel aller tödlichen Verkehrsunfälle gingen 2016 auf Raser zurück (2015: 168). Die Zahl der dabei getöteten Menschen erhöhte sich deutlich auf 215 (2015: 177). "Zu schnelles Fahren ist kein Kavaliersdelikt, sondern höchstgefährlich", mahnte Herrmann. "Nur wenige Stundenkilometer zu viel können oft den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten."

Auch in anderen Bundesländern brachte der Blitzmarathon zum Teil erschreckende Ergebnisse: In Leipzig wurde ein Schwachmat erwischt, der mit 140 Sachen durch die Sachsenmetropole bretterte; im Saarland knöpften sich die Ordnungshüter einen nicht minder schwachsinnigen 29-Jährigen vor, der mit Tempo 172 km/h in einer Autobahnbaustelle geblitzt wurde, wo nur 80 km/h erlaubt waren. Quelle: Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr / DMM  

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