Bahn

14. Mai 2017 | Von: Gernot Zielonka

Digitale Bahnreiseabrechnung und ihre Fallstricke

Was ist schon an mehr oder weniger sinnfreien Meldungen deutscher Nachrichtenagenturen verbreitet worden. Die jüngste: Die klassische Fahrkarte soll bei der Deutschen Bahn bald ausgedient haben.

Ähnliches verbreiteten besagte Nachrichtenagenturen vor vielen Jahren schon bei den Flugtickets. Die sollten schon seit 2010 nicht mehr existieren. Und was ist? Noch immer nutzen weit mehr als 50 % aller Passagiere ausgedruckte Tickets. Nicht anders wird es bei der Bahn sein. Das angesprochene digitale System wird in vielleicht zehn bis 15 Jahren kommen, keinesfalls aber morgen oder übermorgen.

Ein System im Zug soll in Zukunft über eine App auf dem Handy eines Passagiers erkennen, dass er eingestiegen ist. Schön und gut. Und was ist, wenn der Fahrgast kein Smartphone mit sich führt? Dann wird’s eben nix mit der automatischen Abrechnung einer Bahnfahrt, ob die WLAN-Struktur vorhanden ist oder nicht. Hinzu kommt, dass die Deutsche Bahn und nicht nur die verstärkt an der Sicherheit ihrer IT-Strukturen arbeiten sollte. Denn da scheint es gewaltig zu hapern, wie der Angriff von Cyberkriminellen vom vergangenen Wochenende beweist. Eine Welle von Cyberangriffen machte Organisationen, Behörden und Firmen weltweit zu schaffen. Auch die Deutsche Bahn war betroffen (siehe Bericht ananderer Stelle). Das Bundeskriminalamt (BKA) hat die strafrechtlichen Ermittlungen zu der Cyberattacke übernommen, ausrichten können wird es freilich nichts. Bei der DB fielen Ticketautomaten und Reiseanzeigetafeln in vielen Bahnhöfen stundenlang, teils sogar zwei Tage aus, unbestätigt ist, dass auch Überwachungsanlagen nicht funktioniert haben sollen.

Das ist das eine, das andere: Die Bahn-IT-Experten sollten auch wissen, dass gerade Android-basierte Smartphones kinderleicht mittels Trojanern gestört werden können. Dann hilft auch in einem solchen Fall das geplante digitale Reise-Erkennungssystem verdammt wenig. Im vorliegenden Fall vom Samstag/Sonntag zeigte sich, dass weder das DB Cyber-Security-Team noch die DB-Systeme zur Früherkennung von Cyber-Angriffen aktuell noch machtlos zu sein scheinen. DMM

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