Panorama

16. Mai 2017 | Von: Gernot Zielonka

Oh Gott oh Gott, eine Lounge zum Abgewöhnen

Waren Sie schon mal im Sala Pau Casals am internationalen Flughafen Barcelona El Prat? Die so bezeichnete Lounge, u.a. auch für Lufthansa-Gäste gedacht, in Terminal 1 im südlichen Bereich in der Ebene zwischen den Gates und dem Sky Center, macht auf den ersten Blick einen sehr ansprechenden Eindruck. Aber nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten kommt einem schon das Grausen.

Wir sind über die Jahre hinweg schon an die hundert Mal in Barcelona geschäftlich gewesen. Das letzte Mal am 15. und 16. Mai. Wenn es unsere Wartezeit vor dem Rückflug erlaubte, suchen wir besagte vergleichsweise sehr große Lounge auf, so auch am 16. Mai. Unser LH-Flug nach München hatte noch etwas Zeit und wir wollten noch ein wenig arbeiten.

Die Lufthansa preist besagte Sala Pau Casals, in die man über eine Rolltreppe oder Aufzug gelangt, damit an, dass sie über ein großes Serviceangebot verfügt. Rein kommt man freilich nur mit Business- oder First-Class Ticket oder M&M-Goldkarte, die man vorlegen muss, wenn man endlich eine längere Warteschlange vor dem Zugangscounter erfolgreich gemeistert hat. „Genießen Sie Ihren Aufenthalt“, schreibt die Lufthansa noch. Ah ja. Abgesehen davon, dass sie von Mal zu Mal brechend voller ist, und man kaum noch einen der über 100 freien Plätze ergattern kann – Fliegt denn die ganze Welt nur noch Premium? – verspricht die Ausstattung dem Vielflieger auf dem Papier an sich recht Ordentliches. Sanitäreinrichtungen, Duschen oder Bäder, WLAN,  nationale und internationale Zeitschriften (deutschsprachige vielleicht 1 oder 2 Tageszeitungen mit je 1 Exemplar!).  

Die Realität sieht freilich ganz anders aus:

  • Das Männer-WC. Oh Gott, oh Gott, macht dort niemand sauber? Und gibt es denn keine WC-Bürsten?
  • Die Teppichböden: Wurde wohl vor einem Jahrzehnt das letzte Mal staub gesaugt. Brösel, und allerlei Unrat wohin man tritt.
  • Elektrische Anschlüsse, da muss man schon aufpassen, dass man sich keinen Schlag holt.
  • Aufräumen? Auf den Tischchen zwischen den zugegebenermaßen sehr komfortablen Sesseln türmen sich gebrauchtes Geschirr, Messer, Gabeln, Essens- und Getränkereste. Dass mal jemand zum Aufräumen kommt, ist wahrscheinlich zuviel verlangt.
  • W-LAN: Das AENA-Angebot klingt gut, angeblich kann man zum Nulltarif ins Netz. Wäre schön, wenn es auch mal funktionieren würde. Entweder Websites bauen sich viel zu langsam auf oder, das ist der Normalfall, es geht von vorneherein nichts. So bleibt dann doch nur Roaming einschlalten, gut, wer dann eine tariflich günstige Option hat.

Einzig der Essens- und Getränkenachschub funktioniert. Salami, Schinken, Backwaren aller Art, Getränke ständig wird an den Tresen nachgefüllt.  

Wir lieben ja den Flughafen Barcelona-El Prat (BCN), zweitgrößter Spaniens und Nr. 10 in Europa (ca. 40 Mio. Passagiere 2016); denn er, wir reden jetzt vom internationalen Terminal 1, ist wirklich sehr attraktiv und übersichtlich. Nur warum ausgerechnet jener Aufenthaltsort wie die Sala Pau Casals für die ja nicht gerade unwichtige und zahlungskräftige Klientel derart vernachlässigt wird, hinterlässt doch einige Fragezeichen. Gernot Zielonka        

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