Luftfahrt

16. Juli 2017 | Von: Gernot Zielonka

Abfangjäger hinter Korean Air- und Egypt Air-Jets her

Müssen die Piloten von Korean Air und Egypt Air in Sachen Einstellung der korrekten Funkfrequenzen besser geschult werden? Gleich zwei Fälle registrierte die Flugaufsicht in Deutschland am Freitag Abend (14. Juli) und am Samstag Abend (15. Juli), bei denen es zu zwei Passagierjets über dem deutschen Luftraum keinen Funkkontakt gab. Das hatte jeweils zur Folge, dass die Alarmrotte der Bundesluftwaffe jeweils zwei Eurofighter aufsteigen ließ, um „nach dem Rechten zu sehen“. Bei der Verfolgung der beiden Passagierjets war es jeweils über Unterfranken und dem Großraum Stuttgart zu Überschallknallen gekommen.

Am Freitag Abend war es gegen 19.45 Uhr im Großraum Würzburg/Kitzingen/Aschaffenburg zu mehreren Überschallknallen gekommen, als zwei Eurofighter hinter einer Egypt Air Maschine her jagten, die auf dem Weg von Hurghada nach Münster/Osnabrück war. Die Piloten des Passagierjets hatten offensichtlich eine falsche Funkfrequenz eingeschaltet, so dass es keinen Funkkontakt zur deutschen Flugsicherung gab. Deswegen wurden die beiden Abfangjäger vom Stützpunkt Neuburg an der Donau (nahe Ingolstadt) losgeschickt. Als die Eurofighter Typhoon, die gut 2.400 km/h schnell fliegen können, die Passagiermaschine eingeholt hatten, funktionierte deren Funk wieder, so ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung DFS. Die Ägypter durften weiter fliegen und landeten planmäßig am Flughafen Münster-Osnabrück.

Bei der Aufholjagd durchbrachen die beiden Eurofighter die Schallmauer und lösten laute Knalle aus, die im Großraum Unterfranken und dem südöstlichen Hessen gut zu hören waren.

Ein sehr ähnlicher Fall trug sich dann am späten Samstag Abend gegen 21.45 Uhr mit einer Korean Air B 777 zu, die auf dem Weg von Seoul nach Zürich war. Auch in diesem Fall gab es über dem deutschen Luftraum keinen Funkkontakt mehr, weshalb erneut zwei Eurofighter aufsteigen mussten, die den Großraumjet dann begleiteten und zur Landung in Stuttgart anwiesen, was die Piloten zwangsweise auch befolgen mussten.

Der asiatische Widebody hatte laut DFS den deutschen Luftraum mit mehr als zwei Stunden Verspätung erreicht; an sich sollte die Triplseseven um 19.25 Uhr in Zürich landen. Eine Sprechering des Flughafens Stuttgart sagte gegenüber der Stuttgarter Zeitung, dass der Jet zwecks Überprüfung und eventuellen Instandsetzung vorerst am Airport der Schwabenmetropole bleiben muss. Für die 211 Passagiere bedeutete dies eine unangenehme Nacht im Terminal; denn es soll in der Nähe keine Übersnachtungskapazitäten in den Hotls gegeben haben; zudem sei es nicht mehr möglich gewesen, Busse zu organisieren. An einen Weiterflug war nicht zuetzt wegen des Nachtflugverbots in Stuttgart (ab 23 Uhr) nicht zu denen; außerdem hätte es auch gar kein passendes Flugzeug gegeben.

Die Polizeidienststellen in Würzburg, Kitzingen, Aschaffenburg, Marburg etc. berichteten von zahlreichen besorgten Anrufern, die die Überschallknalle aufgeschreckt hatten. Fliegen mit Überschall bedeutet, dass die Fluggeschwindigkeit größer als die Schallgeschwindigkeit in der Umgebung des Luftfahrzeugs ist. Nähert sich das Flugzeug der Schallgeschwindigkeit (Ma = 1), kommt es durch die Kompressibilität der Luft zu Stoßwellen. Der Überschallknall ist die hörbare Auswirkung der Stoßwelle. Schall breitet sich in Luft mit 340 Meter pro Sekunde aus. Das ist etwa 1.200 km/h. Wenn das Flugzeug schneller fliegt als diese Schallgeschwindigkeit, breiten sich die Schallwellen nicht mehr nach allen Seiten aus, sondern nur noch nach hinten. Jener Schall, der dann die Erde erreicht, wird dort als “Überschallknall” wahrgenommen. Der Eurofighter ist ein allwetterfähiges zweistrahliges Mehrzweckkampflugzeug, das Mach 2,35 fliegen kann. Quellen: DMM / Stuttgarter Zeitung 

Abfangjäger hinter Korean Air- und Egypt Air-Jets her
Schließen