Panorama

09. August 2017 | Von: Gernot Zielonka

Beim Fliegen kann man was erleben

Wir zählen zu den Vielfliegern unter den Geschäftsreisenden. Ein bis zweimal die Woche sind wir mit dem Flugzeug unterwegs, meist der Lufthansa und diversen US-amerikanischen Airlines. Von Airberlin lassen wir inzwischen die Finger. Zu unzuverlässig und in Sachen Service einfach unterirdisch. Worauf wir diesmal hinauswollen: auf die Pünktlichkeit.

Wenn wir unsere Flüge in 2017 betrachten, waren von 50 vielleicht zwei oder drei pünktlich. Eine Schande für die Luftfahrt. Klar, die Fliegerei ist von Wetterunbilden viel mehr betroffen als die bodengebundenen Verkehrsträger. Aber das allein sind nicht die einzigen Gründe, weshalb bei den Fuglinien so viel schief läuft. Hinterher, also am Tag danach, und das ist das Perverse, möchten die Airlines mit ihren Nachfragen, wie man denn den Flug beurteile, am liebsten noch gelobt werden.  

Am Montag und Dienstag erlebten wir weitere unrühmliche Beispiele sinnloser Zeitvergeudung, worüber wir irgendwann einmal ein Buch schreiben werden. Beispiel Lufthansa: Wir hatten einen Flug mit LH und SAS nach Ålesund in Norwegen gebucht, weil wir dort geschäftlich zu tun hatten. Flug LH 2442 sollte uns zunächst von München nach Kopenhagen bringen, mit Star Alliance-Partner SAS sollte es dann weitergehen in der hohen Nordwesten Norwegens. Am Vorabend nutzten wir noch den Online-Check-in mit eigener Platzwahl. Aber wenn wir das nicht getan hätten, wäre dasselbe herausgekommen. Denn weil die LH das Flugzeug kurzfristig gewechselt hatte, wurde uns elektronisch kurz vor dem Boarding ein Sitzplatz zugeteilt, viel weiter hinten in der Maschine als ursprünglich gebucht und bestätigt. Dass der Jet dann in München statt wie geplant vom Terminal 2 dann am T2-Satelliten zum Einsteigen bereit war und das Gate ein zweites Mal geändert wurde, geschenkt.  

Dass wir dann aber geschlagene 50 Minuten ohne vernünftige Erklärung an der Fluggastbrücke standen, bis es endlich los ging, wird ein weiteres Kapitel unseres künftiges Buchs bereichern. Die Piloten hätten ihren Fluggästen schon eine plausible Erklärung geben müssen, wie wir meinen. Aber nur zu sagen, dass man die Triebwerke erst später starten könne, wenn dies von den Flugcontrollern angewiesen wird, mir reicht das als Erklärung nicht. An Kopenhagen Kastrup kann’s nicht gelegen haben. Dort war und ist eh’ nicht so viel Flugverkehr. Zum Glück war in Kastrup, als wir angekommen waren, gerade noch genügend Zeit, um in Flug SK 2892 umzusteigen, der uns halbwegs im Zeitrahmen ans Ziel brachte, wenngleich mit einer elend engen Bombardier CRJ900-Maschine. Aber Fliegen ist bekanntermaßen seit Jahren in Bezug auf den Komfort auf dem absteigenden Ast.  

Rückflug: Der erfolgte am Dienstagnachmittag mit einer KLM-Embraer. Ein hochmoderner und halbwegs komfortabler Regionaljet. Dieser Flug ging sogar pünktlich in Ålesund raus und dauerte knapp zwei Stunden bis Amsterdam. Dort sollten wir zwei Stunden ausharren, bis unser Weiterflug nach München mit KL 1801 um 20.50 Uhr starten sollte. Das Boarding erfolgte pünktlich, und als die Boeing 737 zu gut zwei Dritteln besetzt war und es geheißen hatte „boarding completed“, begann eine weitere Episode unsäglichen Wartens. Aber wenigstens waren der KLM-Kapitän und sein First Officer, eine Lady, so ehrlich, im Detail zu erklären, warum wir nicht starten durften. Sauwetter über München soll’s gewesen sein. Und das haben wir dann auch gespürt, nachdem wir kurz von Mitternacht mit gut 75-minütiger Verspätung und etlichen Schaukeleien nebst Ehrenrunden über Oberbayern gelandet waren.

Natürlich standen wir an einer weit entfernten Außenposition, obwohl am T1 etliche Fluggastbrücken unbesetzt waren. Nach dem Herausklettern alles was Beine hat reingepfercht in den offensichtlich nur noch einzigen Bus und dann ab zum Terminal 1.

Glauben Sie, die Odyssee wäre dort zu Ende gewesen? Nein, nein. Die Drehtüren für den Einlass ins Terminal bockten auf einmal und wollten die 120 im Regen Stehenden nochmal so richtig ärgern. Es dauerte einige Zeit, in der manch’ böses Wort fiel, bis das bockige Ding sich beruhigt hatte und gemächlich, sehr gemächlich, wieder zu arbeiten begann. Ach ja, meine Tankstelle an der A9 wenige Kilometer von Flughafen entfernt, hatte da natürlich schon geschlossen. Sie macht um Mitternacht dicht. DMM       

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