Luftfahrt

10. August 2017 | Von: Gernot Zielonka

Ob sich Saudia damit einen Gefallen tut?

Bei SkyTeam-Mitglied Saudia sind aus religiösen Gründen an Bord ihrer Flugzeuge weder alkoholische Getränke noch Gerichte mit Schweinefleisch erhältlich. Und nun ist ein Dresscode bekannt geworden, der in der westlichen Welt für massiven Ärger sorgt. Denn die Saudis schreiben neuerdings an Bord ihrer Flugzeuge für alle Fluggäste vor, was sie anzuziehen haben. In Deutschland bedient der Carrier Frankfurt und München.

Nachstehend der Wortlaut des Dresscodes, der allerdings am 09. August wieder von der Website gelöscht ist („The OID specified in the request parameters is either null or invalid”).

"Saudia ist requesting from their guests to abide a dress code where by they are not clothed in a manner that would cause discomfort of offence to other passengers.

For example:

  • Women exposing legs or arms; or wearing too thin; or too tight clothes.
  • Men wearing exposig shorts.
  • Note: Saudia may refuse to transport passengers, or may remove passengers from the flight at any point for not complying with its dress code.  

Auf deutsch: Frauen sollen ihre Arme und Beine bedeck halten und dürfen keine anliegenden Kleider, Blusen oder Hosen tragen und auch nichts Durchsichtiges. Männern ist es untersagt, in kurzen Hosen an Bord zu gehen. Wer sich nicht an die Regel hält, dem kann der Zutritt zur Kabine verwehrt werden.  Angeblich könnten durch westliche Kleidung Mitreisende sich gestört oder gar beleidigt fühlen. Der frühere Ali Al Ghamdi ließ zur höchst fragwürdigen Anweisung wissen, Saudia tue nichts anderes als andere Fluglinien. Auch da gebe es gewisse Kleidungsvorschriften. Vermutlich wollte Al Ghamdi auf die US-Airline United  abzielen, die im März erst für Schlagzeilen sorgte, als sie zwei jungen Damen den Zutritt zum Flugzeug versagte, weil die Leggins getragen hatten (DMM berichtete).  

Die Reaktionen weltweit sind sehr zwiespältig, zumal Bürger nahezu aller nicht-muslimischer Länder derlei Vorschriften für eine Beschneidung ihrer Persönlichkeit und Firlefanz halten. Andererseits wird sich die staatliche Airline und überhaupt das Königreich hart tun, mit derlei abstrusen Ideen Touristen aus aller Welt anlocken zu können. Denn noch ist unklar, ob z.B. auch in den geplanten neuen semiautonomen Touristenregionen, die das Land aufbauen will, die im streng islamischen Königreich üblichen Bekleidungs- und Verhaltensvorschriften gelten sollen. Sprich: Wenn z.B. eine aus Europa oder Nordamerika stammende Besucherin des Landes in der abartigen Burka herumlaufen soll, am Strand nur tiefschwarz vom Kopf bis zu den Zehen verhüllt ins Wasser gehen darf, wenn es keinen Tropfen Wein oder Bier oder andere alkoholische Getränke gibt, können sich die Araber ihre Vorstellungen ganz schnell abschminken, sagen Experten.      

Aktuell ist auf der Website von Saudia nur die Empfehlung zu lesen, dass zum Wohlbefinden des Flugs eng sitzende Kleidung unangenehm werden kann, weshalb es sich empfiehlt, locker sitzende Kleidung zu tragen.

Bemerkenswert im Zusammenhang mit Bekleidungsvorschriften: Araber sehen im Allgemeinen nicht ein, sich in Sachen Bekleidung und Verhalten an die Gepflogenheiten der westlichen Welt zu halten; denn für sie gilt in allen Ländern der "Ungläubigen" (Christen etc.), dass auch da die Religion über dem Staat zu stehen hat.

In vielen arabisch geprägten Ländern werden z.B auch die Crews westlicher Airlines gezwungen, sich den mulimischen Vorshriften anzupassen. So sind bei Flügen der Lufthansa Abayas und Hijabs an Bord, mit denen die weiblichen Flugbegleiter Körper und Kopfbehaarung abdecken, aber das Gesicht frei lassen. Die LH-Tochter AUA hat für ihre Stewardessen vor dem Verlassen des Flugzeuges Kopftücher (klassische Roosaris) dabei. Und die Stewardessen müssen ihren roten Uniformmantel tragen, der bis zum Knie reicht. Rote Strüpmfe tragen die Damen ohnehin. Piloten und Kabinenpersonal von Air France-KLM werden auf nicht-arabische Flüge umgeplant, wenn sie keine Lust haben, sich den lokalen Gebräuchen zu unterwerfen.

Das Königreich Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie in Vorderasien. Es ist durch seine Ölexporte eines der reichsten Länder der Welt. Das Königreich ist ein bedeutendes Mitglied der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds. Laut seiner Grundordnung sind Staat und Religion nicht getrennt. Staatsreligion ist der Islam, prägend ist die Strömung der Anhänger des Salafismus bw. der Wahhabiten. Und es gelten die Scharia-Gesetze nebst Unterdrückung der Meinungs- und Religionsfreiheit. Haft ohne Anklage und Gerichtsverfahren drohen jedem, der sich nicht an die Vorschriften hält. Quelle: DMM / Saudia / BBC

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