Luftfahrt

06. Oktober 2017 | Von: Gernot Zielonka

Ryanair setzt zum Sturzflug an

Ryanair steuert auf eine unkontrollierte Zukunft zu, wenn ihr weitere Piloten den Rücken kehren. Zwar hat CEO Michael O'Leary angekündigt, es würden derzeit oder in Kürze bis zu 650 neue Piloten rekrutiert, aber die Krise bei Europas größtem Billigcarrier scheint größer zu sein als man ahnt. Jetzt verlässt Chief Operations Officer Michael Hickey, u.a. verantwortlich für die Cockpitbesatzungen und das Bodenpersonal, das sinkende Schiff nach 30 Jahren Betriebszugehörigkeit.

Hickey sagt laut der Irish Times in drei Wochen seinem Arbeitgeber Adieu. Er ist seit 2014 Chef des operativen Geschäfts, das gründlich aus dem Ruder gelaufen ist. Seit gut drei Wochen nämlich findet sich die LC-Airline in den Schlagzeilen, weil sie angeblich die Dienstpläne ihrer Piloten nicht so geführt hat, dass ein reibungsloser Flugverkehr stattfinden kann. Tatsächlich sind das nur dumme Ausreden; denn dem Carrier laufen die Piloten davon; aktuell sollen von den 4.200 Piloten um die 250 gekündigt haben. Niht nur sie, sondern auch viele ihrer verbliebenen Kollegen sollen mit ihren Arbeits- und Vertragsbedingungen (atypische Beschäftigungsverhältnisse) absolut nicht mehr einverstanden sein, was in der Vergangenheit u.a. die Vereinigung Cockpit (VC) angeprangert hat (DMM berichtete). Außerdem verdienen die Flugzeugführer bei der Konkurrenz, z.B. Norwegian, wesentlich mehr.

Zur Ryanair-Krise heißt es in der Irish Times: „Ryanair on Thursday said it would pay its pilots better than rivals and give them more job security. Its chief executive, Michael O’Leary, sent pilots a three-page letter promising significant improvements to rosters, contracts and career progression over the next 12 months; it also said Ryanair would beat the pay and job security offered by its fellow Boeing 737 operators Jet2 and Norwegian Air Shuttle. The president of the Irish Air Line Pilots’ Association, Evan Cullen, said: “There are a lot of promises made in the letter but no details of what the cost of these promises will be . . . Our members have experienced Ryanair promises before, and therefore we will need to carefully consider each point before we decide on a response.”

Cullen  bezieht sich auf den dreiseitigen Brief von Michael O’Leary, in dem der die Piloten zum Treueschwur auffordert und ihnen gleichzeitig massive Gehaltserhöhungen im vier- bis fünfstelligen Bereich plus einen Loyalitätsbonus von bis zu 12.000 Euro verspricht. Das Dumme nur: Tarife wie bisher, möglich nur durch den Druck auf das eigene Personal, wird Ryanair künftig wohl nicht mehr halten können. Von den angekündigten gravierenden Flugstreichungen sind bis dato ca. 700.000 Fluggäste betroffen. Quelle: The Irish Times / DMM 

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