Luftfahrt

06. November 2017 | Von: Gernot Zielonka

Horrorflug - Piloten verloren Kontrolle über Boeing

Glück im Unglück hatte die 111 Passagiere und Besatzungsmitglieder einer Boeing 737-500 von Utair. Deren Piloten hatten beim Anflug auf den Airport Moskau Vnukovo vorübergehend die Kontrolle über den Mittelstreckenjet verloren. Die Fluggäste erlebten wahre Schreckensmomente und hatten vermutlich eine Heerschar an Schutzengeln bei sich. Denn die Maschine wäre beinahe abgestürzt.

Der Vorfall trug sich laut russischen Medien am 13. Oktober 2017 zu. Berichtet wurde der Zwischenfall vom deutschen Branchenportal www.aerotelegraph.com. Die Boeing war in Krasnodar gestartet. Nach zweistündigem normalem Flugverlauf kam es um 09.15 Uhr Ortszeit zum fatalen Stabilitätsverlust. Zu diesem Zeitpunkt war die Maschine nur noch wenige Kilometer vor der Landepiste entfernt und etwa 400 m über dem Boden. Fahrwerk und Landeklappen waren wie gewohnt ordnungsgemäß ausgefahren. Die Geschwindigkeit betrug die üblichen 245 km/h. Da plötzlich hob sich die Nase der Boeing um 10 Grad, die automatische Schubregelung setzte ein und erhöhte den Schub von rund 40 wieder auf 75 % (N1), wie die Aufsichtsbehörde Rosaviatsia in ihrem Bericht schreibt.  

Die Flugzeugführer fuhren die Klappen weiter aus und schalteten den Autopilot aus. Die Nase zeigte jetzt 19° nach oben. Die automatische Schubregelung war zu jenem Zeitpunkt immer noch aktiv und erhöhte den Schub als Folge davon auf rund 95 %. Dadurch hob sich die Nase der Utair-Maschine weiter – auf rund 45 %. Folge: Der Jet wurde schnell langsamer. Seine Geschwindigkeit über Boden fiel unter 185 km/h. In diesem Moment hatten die Piloten die Kontrolle über die Maschine verloren.

Wie aus den Unterlagen der russichen Luftfahrtbehörde weiter hervorgeht, befand sich die B 737 auf einer Art  Achterbahnfahrt. Zuerst drehte sie sich der Längsachse entlang um 33° nach rechts nur um danach sich auf 35° nach links zu drehen. Die Nase zeigte nun nur noch 30° nach oben, die Geschwindigkeit aber war auf 110 km/h gefallen. Es folgte die nächste Drehung – auf 96 ° nach rechts. Dadurch begann die Nase nach unten zu zeigen.  

Noch einmal drehte sich die Maschine bis 45° nach links, aber gottseidank wieder schneller. Auf dann 335 Meter über Boden waren die Piloten wieder Herr der Lage. Sie initiierten einen Durchstart und landeten einige Minuten danach ohne Probleme. Die russische Aufsichtsbehörde stuft den Zwischenfall als „ernsthaft“ ein. Sie riet Fluggesellschaften umgehend, die Ausbildung in puncto Wiedererlangung der Kontrolle zu verschärfen. Quelle: aerotelegraph.com / DMM

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