Luftfahrt

12. November 2017 | Von: Julia Zielonka

Kippen die aktuellen Fluggastrechte?

Sie heißen „flightright.de, euflight.de, EUclaim.de usw. und sie sind aus Sicht der Fluggesellschaften, aber auch der IATA und neuerdings auch der EU-Kommission „das Böse“. Denn sie verhelfen Passagieren, die infolge Flugausfällen oder Verspätungen von den Verursachern (Airlines) Entschädigung gemäß Fluggastrechten verlangen, zu ihrem Recht.

Schon seit Längerem hat der Dachverband der Fluggesellschaften, die International Air Transport Association (IATA), ein Problem mit den Fluggastrechteportalen. Und auch die Europäische Kommission empfiehlt in ihrem Leitfaden für Passagiere zum Thema der boomenden Anbieter, die sich bei Flugausfällen und -verspätungen im Auftrag der Fluggäste um Entschädigungen kümmern, von Flugausfällen oder Verspätungen betroffene Passagiere sollten immer zuerst versuchen, die Airline zu kontaktieren, bevor sie irgendeine andere Maßnahme in Betracht ziehen.  

Laut Kommission liegen in Brüssel angeblich etliche Anschuldigungen wegen unzulässigen Vorgehens und Fehlverhaltens von Fluggastrechte-Portalen vor. Aber es ist unklar, von wem die Anschuldigungen stammen. Die IATA sieht Claim Agencies (der Verband nennt sie „Claim Farms“) – das sind Portale, die Forderungen von geschädigten Passagieren bei den Luftfahrtunternehmen eintreiben, nicht zu verwechseln mit Inkasso-Agenturen – überaus kritisch. Dem Verband zufolge macht der Aufstieg der Rechte-Agenturen in Europa deutlich, dass die Gesetzgebung der Marktrealität angepasst werden muss. Daher fordert er die Überarbeitung der EU-Verordnung 261 aus dem Jahr 2004, in der Fluggastrechte und Entschädigungen geregelt sind.

Eine Änderung wird seit Jahren diskutiert, eine Einigung gab es bis heute aber nicht. Hintergrund ist, dass sich viele Fluggesellschaften, die es bisher gewohnt waren, sich beschwerende Fluggäste und deren Forderungen abzuwimmeln, einem verstärkten Druck ausgesetzt sehen, wie ihn die Fluggastrechteportale ausüben. Der Airline-Dachverband fordert u.a., dass die Dauer eines bevorstehenden Fluges bestimmen soll, nach welcher Verspätungszeit eine Fluggesellschaft Entschädigungen zahlen muss.

Dem Wunsch von IATA und EU-Kommission nach Eindämmung der Rechtemöglichkeiten treten die „Helfer“, also die Fluggastrechtportale, mit dem Hinweis entgegen, die Zahl der Portale würden zunehmen, weil viele Airlines berechtigte Entschädigungszahlungen gegenüber Passagieren blockieren, so meldet es das Branchenportal aeroTELEGRAPH. Immer mehr Kunden würden auf die Portale setzen, da diese Know-how und einen langen Atem hätten und ihnen Arbeit abnehmen würden. Die Sprecherin des Portals Flightright, Stefanie Müller, sagte mit Blick auf die EU-Information gegenüber dem Luftfahrtportal, es sei richtig, Verbraucher auf auftretende, unsaubere Geschäftspraktiken aufmerksam zu machen. Man habe selbst Interesse daran, dass vor „Schwarzen Schafen in der Branche“ gewarnt werde. Und sie könne auch die theoretische Empfehlung der EU nachvollziehen, dass Verbraucher sich zunächst an die Airlines wenden sollen. Die Praxis sehe aber oft anders aus: „Wir haben beobachtet, dass Kunden, die sich tatsächlich selbst an die Airlines wenden, sehr häufig mit fadenscheinigen Begründungen abgewiesen werden oder die Airlines reagieren überhaupt nicht.

Es ist bekannt, so die Flightright-Sprecherin weiter, dass die IATA kein großes Interesse daran hat, dass Portale wie wir, Verbraucher zu ihrem Recht verhelfen. Von daher auch der von der IATA gern verwendete Begriff der „ Claim Farms“ statt Claim Agency. Quelle: aeroTELEGRAPH / DMM 

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