Geschäftsreise

08. Oktober 2017 | Von: Gernot Zielonka

Mobility Inside revolutioniert ÖPNV

Zu Recht erwarten die Fahrgäste des ÖPNV einen einfachen deutschlandweiten Zugang zu Bahnen und Bussen jenseits aller Länder- und Verbundgrenzen. Doch ist es damit nach wie vor nicht sehr weit her. Zig Tarife, zig Ticketmöglichkeiten, zig Online-Plattformen betreiben auch für Geschäftreisende ein Verwirrspiel ohnegleichen. Die neue Mobilitätsplattform „Mobility inside“ will dies ändern.

Auf der Jahrestagung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Hannover hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt Initiatoren und Projektpartnern der Mobilitätsplattform „Mobility inside“ drei Förderbescheide überreicht. Mit einem Gesamtfördervolumen von 880.000 Euro werden drei Teilprojekte von Mobility Inside gefördert. Projektträger sind die INFRA Dialog Deutschland GmbH, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) und das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin (ZIB).  

Schon seit Längerem will der VDV alle deutschen Anbieter des ÖPNV mittels der Mobilitätsplattform Mobility Inside zusammenbringen. Bis heute haben sich 20 Unternehmen zusammengeschlossen. Das Ziel: 2019 soll es eine Plattform für den gesamten Nahverkehr geben, die alle Tarife, Fahrplandaten und Verspätungsminuten vereint. Mit von der Partie ist Europas größter Logistikdienstleiter Deutsche Bahn.

Die Projektpartner begrüßen die Beteiligung des Bundesverkehrsministers: „Unsere Fahrgäste erwarten von uns zu Recht einen einfachen deutschlandweiten Zugang zum ÖPNV jenseits aller Länder- und Verbundgrenzen. Der Förderbescheid ist der richtige Ansatz und auch der richtige Anreiz, dass wir alle gemeinsam an der weiteren Vernetzung untereinander arbeiten, um Busse und Bahnen in Deutschland fit für die Zukunft zu machen“, so VDV-Vizepräsident Prof. Knut Ringat. Im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sind rund 450 Unternehmen des kommunalen Nahverkehrs, des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV), des Fernverkehrs sowie Verbünde und Aufgabenträger organsiert. Die VDV-Mitgliedsunternehmen erbringen weit über 90 % der Leistung der gesamten deutschen ÖPNV-Branche.

„Die Beteiligung des Bundesverkehrsministeriums ist ein hervorragendes Signal für die Initiatoren, um die Plattformarchitektur mit dem nötigen Nachdruck zügig umzusetzen. Im Rahmen der VDV-Jahrestagung haben zahlreiche Verkehrsunternehmen signalisiert, Mobility inside beizutreten. Die Grundlage für eine Branchenlösung ist damit erfolgreich gelegt“, so VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff.  

Deutschlands Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) boomt auch 2017. Egal, ob auf Schiene oder Straße, in der Stadt und auf dem Land: Busse und Bahnen sind ein unverzichtbarer und wichtiger Bestandteil der Mobilität aller Bürger. Jedes Jahr nutzen über 10 Mrd. Kunden, darunter viele Millionen Geschäftsreisende, die Angebote des ÖPNV.  

Mobility inside vereint den gesamten öffentlichen Verkehr in einer intermodalen Plattform von der Verbraucher und Anbieter nachhaltig profitieren. Der gesamte deutsche öffentliche Verkehr soll auf der gemeinsamen Plattform vereint sein. Im Endergebnis heißt das für die Mobilität der Zukunft: Ein Ticket, eine Anmeldung, alle Angebote.  

Wie DMM schon x.fach berichtete, macht die Digitalisierung auch vor den Verkehrsunternehmen keinen Halt. Auch wenn bereits in vielen Verkehrsunternehmen und -verbünden Prozesse elektronisch abgebildet und Angebote bereits heute vernetzt sind, erfolgt dies lediglich auf lokaler Ebene oder innerhalb des Verbundes. Digitalisierung bedeutet aber viel mehr. Mit dem Blick auf das Kernangebot der VU müssen lokale Angebote überregional verfügbar gemacht und Angebote anderer in die eigene Angebotsplattform integriert werden. Der Mechanismus bleibt immer gleich. Die ÖPNV-Unternehmen integrieren die Angebote und sie sind es auch, die sie zur Verfügung stellen. Angebotsbündelung ist dabei kein Selbstzweck.  

Für den Endkunden bedeutet der zentrale Ansatz Mobility Inside ein Plus an Kundenfreundlichkeit. Neben den One-Ticket-Strategie erhalten Kunden bundesweite Zusatzangebote durch ihr Verkehrsunternehmen bzw. ihren Verkehrsverbund. Das schließt auch lokale Angebote dritter Mobilitätsanbieter ein. Wichtig dabei ist, dass die Kundenbeziehung zum lokalen ÖPNV-Unternehmen erhalten bleibt. Eine nutzerfreundliche App im Design angepasst an das lokale ÖPNV-Unternehmens oder den Verkehrsverbund sowie verschiedene Webservices sollen dazu beitragen, aus individuellen lokalen oder überregionalen Services im Kern dasselbe Kundenversprechen zu machen.  

Nachdem bekannt ist, dass der branchenfremde IT-Riese Google, der bereits als Anbieter im touristischen Sektor (Flug und Hotellerie) aktiv ist, auch im ÖPNV einsteigen will, fürchten, kommunale Bus- und Bahnbetreiber, dass Google & Co. möglicherweise in absehbarer Zeit auch Tickets im Nahverkehr verkaufen wollen. Die deutschen ÖPNV-Anbieter liefen dann Gefahr, Provisionen an die neuen heute noch Branchen fremden Wettbewerber zahlen zu müssen. Dem soll mit Mobility Inside zuvorgekommen werden. Quelle: VDV / DMM

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