Meinung - Der Ryanair-Streik ist gut, es sollte noch mehr davon geben

Fluggesellschaften wie Ryanair sind Krebsgeschwüre der Luftfahrt und sollten verboten werden, meinen Insider, die mit den Machenschaften des irischen Billigheimers vertraut sind. Und CEO Michael O’Leary, den extrovertierten Selbstdarsteller sehen viele als eine Schande für die Branche. Dass ausgerechnet Fraport auf Ryanair hereingefallen ist, ihm auch noch bei den Gebühren sehr zum Leidwesen der anderen Fluggesellschaften entgegen gekommen ist, hinterlässt viele Fragezeichen.

Die oft unglaublichen Schnäppchenpreise, mit denen der irische Carrier die Kunden lockt, sind zwar für den Geldbeutel jener Passagiere gut, die glauben, generell zum Ramschpreis fliegen zu können, schlecht jedoch für das fliegende Personal Ryanairs. Der Carrier rühmt sich heute, nach Passagierzahlen viertgrößter der Welt zu sein und größter LCC-Flieger in Europa, größer als Lufthansa & Co.. Jedoch muss man wissen, dass seit 2013 die Gewinne verdreifacht und die krankhaften Anleger mit traumhaften Renditen verwöhnt wurden, alles erwirtschaftet auf dem Rücken der „Angestellten“. 

Michael O’Leary ist ein Chef, dem menschenverachtende Personalpolitik nicht fremd ist. Das kritisierte u.a. die Vereinigung Cockpit schon mehrfach. Dass Ryanair in Deutschland so stark geworden ist, darüber kann man nur den Kopf schütteln angesichts der Tatsache, dass der CEO seine deutsche Kundschaft auf allerübelste Weise beschimpft: „Die Deutschen würden mit nackten Eiern über Glasscherben robben, nur um günstige Preise zu bekommen“, lautet eine seiner Bemerkungen. Auch von seinem fliegenden Personal hält O’Leary wenig. Er, der nach eigenen Aussagen das 20-fache verdient und der Abstand zu den Löhnen seiner Mitarbeiter gerne noch größer sehen würde, würdigt seine Piloten als Bus- und Taxifahrer herab. Auf der Hauptversammlung im Herbst 2017 sagte er über seine Cockpitbesatzungen  sinngemäß, sie würden sehr gut bezahlt für einen sehr simplen Job. Hart arbeiten würden sie nicht; denn heute übernehme ja der Computer den Großteil des Fliegens. Politiker und Konkurrenten beschimpfte er in der Vergangenheit gerne als Idioten. Ein weiteres Zitat, das den fragwürdigen Charakter O’Leary’s beschreibt: Umwelt interessiere ihn einen Dreck und „Das Beste, was man seiner Ansicht nach mit Umweltaktivisten machen könne, sei es, sie „abzuknallen“… Nicht von Ungefähr forderten Ryanair-Piloten ihren Chef im Februar 2018 zum Rücktritt auf.

Die sogenannten „Angestellten“ bei Ryanair müssen sind meist als Freiberufler bzw. Leiharbeiter beschäftigt. Piloten wie Kabinenpersonal müssen ihre Ausbildung vom nicht gerade üppigen Gehalt selbst bezahlen. Grundgehälter gibt es kaum, Überstunden müssen geleistet werden, aber zum Nulltarif, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall kennt Ryanair offenbar auch nicht.  

Wenn am Freitag, 10. August viele Ryanair-Maschinen am Boden bleiben, ist das gut. Und es sollte noch viel öfter passieren. Das Unternehmen (Ryanair) habe nichts vorgelegt, was man als neues Angebot werten könne, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Dienstag. Eine letzte Frist der VC für ein verbessertes Tarifangebot ließ Ryanair verstreichen und drehte den Spieß einfach um, beschuldigte die VC, schuld an hunderten Flugausfällen zu sein. Über 50.000 Passagiere werden am Freitag betroffen sein. Alles Menschen, die sich keine Gedanken machen, warum sie kaum etwas für ihren Flug bezahlen und denen es nicht anders gehört, als zu stranden. Gernot Zielonka

 

Die aktuelle Ausgabe 07/08.2018
Das Tagungsland
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